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Ein perfekter Tag auf dem Ring

Gestern war es mal wieder so weit. Recht kurzfristig fiel die Entscheidung, aber es sollte mal wieder sein: Ein Tag auf dem Spreewaldring. Nach ein paar Problemen mit der Anmeldung ging es dann am Freitag los: Motorräder aufladen und ab zum Ring. Dort Abends um halb elf bei noch immer 28°C angekommen, wurde das Auto zum Schlafplatz umgewandelt und die Kühlbox an den Streckenstrom angeschlossen.

Nächsten Morgen hieß es abzuladen, noch kurz bei beiden Motorrädern die Kette zu spannen und den Luftdruck einzustellen und anschließend Frühstück aus der Kühlbox. Eines ist jetzt schon klar: die Kühlbox war eine gute Idee und ein treuer Begleiter, denn heute wird es HEISS!

Nach dem Fahrerbriefing sortieren wir uns in die mittlere Gruppe ein und es geht los zum ersten Turn hinter dem Instruktor Andre. Ich bin der Einzige der die Strecke schon kennt. Die Geschwindigkeit ist für den Einstieg OK, dürfte für meinen Geschmack aber noch schneller werden. Nach jedem Turn das gleiche Prozedere: sofort Helm runter, Jacke aus, Wasserflasche an den Hals, in die schattige Box, kurze Besprechung und dann ein nasses T-Shirt um den Kopf. Die Temperatur ist ziemlich anstrengend, aber dafür hat der Asphalt gut Gripp und der Reifen bedankt sich mit einem ordentlichen Abnutzungsbild.

Für den zweiten Turn dann die Ansage: Gleiches Tempo, mehr Wechsel. So wird es dann auch, das Tempo noch nicht ganz das was ich mir vorstelle, ich schaue mir das erst Mal noch weiter an, überlege aber nach dem Mittag eventuell in eine schnellere Gruppe zu wechseln. Dann geht es raus zum dritten und letzten Turn vor dem Mittag. Das Grundtempo wird ein paar Sekunden pro Runde schneller. Nach einem Wechsel bin ich direkt hinter Andre und der will mich diesmal fordern, zieht eine Runde gut an, die Zeit sinkt. So hatte ich mir das vorgestellt, ich muss mich konzentrieren um dran zu bleiben, fühle mich aber nicht überfordert. Ein paar Teilnehmer lassen ein wenig abreißen, die sammeln wir am Ende der Runde wieder ein. Direkt nach dem Stopp in der Box die Frage vom Instruktor: "Na, besser?". Mein Grinsen ist Antwort genug.

Nach der Mittagspause nehme ich noch mal kurz die Zeit schnellen Gruppe: 3 Sekunden langsamer als unsere beste Runde. Damit ist die Entscheidung klar: kein Wechsel. Außerdem verlassen uns zwei Teilnehmer denen Das Tempo zu hoch wurde in eine langsamere Gruppe. Im ersten Nachmittagsturn dann keine Spur von Schonung, die Zeit wird noch mal schneller, ich spüre langsam eine gewisse Anstrengung. Eine Mitfahrerin entscheidet sich nach dem Turnende ebenfalls zum Wechsel, alle Versuche sie umzustimmen schlagen fehl. Schade, denn Sie konnte gut mithalten, sorgte aber dafür, dass wir nicht übertreiben. Aber Verständlich der Wechsel: Das ständige Fahren am Limit schlaucht extrem.

Ohne diesen "natürlichen Schutz" werden die folgenden drei Turns dann auch recht zügig. Zwar ist man nie wirklich überfordert, merkt aber, dass man hier und da seine 100% erreicht hat. Und genau so soll es sein. Am Ende ist keiner gestürzt, zwei kleine Ausritte in die Auslaufzonen waren das Schlimmste was in unserer Gruppe passierte. Halt ein perfekter Tag.

Bilder gibt es natürlich auch: http://www.fgrubert.de/galleryserver/default.aspx?aid=37

Ende des Winters...

So So, der Winter zeigt sich dieses Jahr als besonders hartnäckig. Immerhin, es hat heute mal nicht geschneit sondern es schien die Sonne. Und Plusgrade waren noch dazu. Grund genug also um die Sucht zu befriedigen. Gesagt getan, warm eingepackt und rauf auf den Bock. Der erste Weg führte wie immer an die Tankstelle, da die Reservelampe schon wieder leuchtete. Anschließend ein paar vorsichtige Meter nach Eutin und nach Ascheberg. Nach einer Stunde war es dann aber auch genug. Plus 5 Grad sind wahrlich nicht viel. Außerdem sind die Straßen noch ziemlich rutschig und unberechenbar aufgrund der starken Verschmutzung in Verbindung mit Nässe.

So war ich dann auch nicht böse hinterher wieder ins Auto zu steigen und die Sitzheizung zu nutzen um wieder aufzutauen. Trotzdem: Schön war's und vor allem endlich der lang ersehnte Start in die neue Saison. Und wie heißt es so schön: Sommer ist was man im Kopf daraus macht.

 

"Man war das GEIL!!!"

“Man war das GEIL!!!”, das Zitat fasst eigentlich schon alles zusammen, was am gestrigen Samstag passiert ist. Aber der Reihe nach.

Freitag, 18:40 Uhr. Raststätte Hüttener Berge an der A7 bei Rendsburg. Ich stehe mit der gelben Gazelle und gepacktem Rucksack auf dem Parkplatz und warte auf die Blade und die Triumph. 15 Minuten später trifft die Blade ein, noch mal 15 Minuten später auch die Triumph, alle nur mit einem Rucksack bepackt. Wieder rauf auf die Bahn, Ziel Flensburger Jugendherberge. Dort angekommen beziehen wir unsere 3 Betten Zimmer mit Gemeinschaftsbad und fühlen uns ein wenig in die Schulzeit zurückgesetzt. Es gibt ein paar Witzeleien über die von mir ausgesuchte Unterkunft, aber was Besseres war in der kurzen Zeit für unter 60 EUR pro Person nicht zu bekommen. Und letztlich sind wir ja nur für eine Nacht zum Schlafen hier.

Zwei Aufgaben liegen heute Abend noch vor uns: Erstens den Bauch des Motorrads zu befüllen und zweitens unseren eigenen Bauch zu füllen. Nachdem ersteres erledigt ist, gehen wir letzteres im Steakhaus an. Da ich keine Zivilschuhe dabei habe, müssen leider die Motorradstiefel über die Jeans, was nur teilweise dem gängigen Modeideal entspricht. Aber immerhin habe ich eine Jeans dabei, bei einem meiner Mitfahrer muss auch mal kurze Hose und Stiefel für den kurzen Spaziergang durch Flensburg herhalten.

Samstag, 04:30 Uhr. Aufstehen! Alle Mann ins Bad, um 05:15 Uhr ist Abfahrt. Noch ein kurzer Frühstückshalt bei McDonalds, denn leider ist das der einzige Laden, der um diese Zeit schon auf hat. Oder noch auf hat, wie meine Kollegin findet, die ich auf dem Parkplatz treffe und die gerade auf dem Weg von der Party nach Hause ist.

Jetzt aber auf zu unserem eigentlichen Ziel: Die Rennstrecke Padborg Park. Denn hier findet dieses Wochenende ein Kurventraining statt und an dem werden wir teilnehmen. Kurz nach 6 Uhr sind wir da, pünktlich zur technischen Abnahme. Die gelbe Gazelle und die Blade gehen so durch doch die Triumph sorgt für Stirnrunzeln. Wie befürchtet wird der Hinterreifen angemerkt: “Der ist in der Mitte schon ziemlich runter, zum Glück brauchen wir den Bereich hier heute nicht.” So die Ansage die Prüfers, die die Spannung, was uns hier heute erwartet noch erhöht.

Dann zum Fahrerbriefing: Die 40 Leute werden in 7 Gruppen eingeteilt: Eine große Freifahrer Gruppe und 6 kleine Instruktoren-geführte Gruppen. Die Freifahrer fahren alleine, danach folgen je zwei Instruktoren-geführte Gruppen gleichzeitig. Alle 15 Minuten wird gewechselt, sodass man immer 15 Minuten fährt und 45 Minuten Pause hat. Das klingt wenig, entspricht aber dem was man als untrainierter Fahrer verkraftet.

Der Instruktor stellt sich vor, erklärt was er im ersten Turn machen wird – die Ideallinie zeigen – und dann geht es auch schon los. Ich stelle mich als letzter ins Line-Up und fahre somit der Gruppe hinterher. Das Tempo ist von Anfang an erstaunlich hoch, zwar geht man noch nicht an den gefühlten persönlichen Grenzbereich, aber bleibt auch nicht allzu weit davon entfernt. Wäre man ohne Instruktor unterwegs, wären die ersten Orientierungsrunden sicher langsamer ausgefallen. Nach ein paar Minuten ist der erste Turn schon vorbei: Zurück ins Fahrerlager und kurze Nachbesprechung. Das Tempo war OK, ja. Ideallinie verstanden, ja. Nun erklärt uns Instruktor Michael die Strecke, ruft uns die markanten Punkte ins Gedächtnis und wann in welcher Kurve wo welcher Punkt angepeilt werden muss. Dies gilt es dann im nächsten Turn zu üben.

In Turn eins haben meine Reifen noch nicht wirklich viel Vertrauen entwickelt. Ein prüfender Griff zum Reifen nach dem Turn bestätigte meinen Verdacht: Die kalten Außen- und Asphalttemperaturen haben den Pneu nicht ausreichend auf Temperatur gebracht. Also den Luftdruck noch mal um 0,2 Bar verringert und dann steht auch schon Turn 2 bevor. Das Tempo diesmal etwas höher aber die Anweisungen des Instruktors helfen. Die Linie ist diesmal deutlich sauberer und weicher und das Hirn hat mehr Reserven sich auf das höhere Tempo einzustellen. Nach dem Turn wieder eine kurze Besprechung: Sah schon besser aus, im nächsten Turn wird auf entspanntere Körperhaltung in den Kurven wert gelegt, da wir sonst die Turns am Nachmittag nicht mehr konzentriert durchhalten.

Bei den Nachbesprechungen fällt auf, dass jeder Instruktor andere Konzepte verfolgt. Während Michael die Infos kurz und knackig hält – vermutlich weil er auch in der Freifahrergruppe mit fährt – nimmt sich Tina – Instruktorin für den Blade-Fahrer – für Ihre Gruppe sehr viel Zeit, macht Trockenübungen auf dem Motorrad und spricht fast die ganze Fahrpause durchweg mit Ihren Schülern. Auch im zweiten Turn war das Grip-Gefühl noch mau, nach dem Turn der Reifen nur handwarm. Also noch mal den Druck um 0,2 Bar verringert.

Aber nun auf in Turn drei. Der vor mir fahrende K1200S Fahrer wählt seine Linie sehr eng, ist daher in der Kurve recht langsam und beschleunigt schlechter. Das stört irgendwie meinen Fahrfluss aber ich versuche mich damit zu arrangieren. Denn schließlich will man sich ja auch auf das angesprochene Thema Entspannung zu konzentrieren. Die Tipps helfen wirklich gut. Man spürt aber deutlich wie das Tempo höher wird, ohne das die Anspannung wesentlich steigt. Das merkt man auch daran, dass die Strecke plötzlich im dritten unten vierten Gang gefahren wird, statt wie zuvor im zweiten und dritten. Daher meinte Michael vorhin als “Merkt euch nicht den Gang, sondern merkt euch nur wo wie viele Gänge hoch oder untergeschalten wird.” Es macht Klick bei mir im Kopf: Welcher Gang ist relativ, aber der Schaltpunkt bleibt.

Endlich vermittelt auch der Reifen ordentlichen Grip. Im Turn hat er gut Temperatur aufgebaut und leichter Gummiabrieb zeugt von den Belastungen die der Pneu aushält. Die Nachbesprechung fällt kurz aus: Wird immer besser, oder? Ja.

In der Pause dann kurze Aufregung. Die Freifahrer kommen direkt nach dem Rollout wieder rein, der Rettungswagen steht nicht mehr auf der Warteposition. Sturz am oberen Ende der Strecke. Zum Glück nichts Schlimmes, der Fahrer kommt selbst auf seinem Motorrad zurück in die Box und die nächsten Turn können geplant starten. Ironischer Weise hat es nicht einen der Freifahrer erwischt, sondern den Instruktoren auf Probe, der die Veranstaltung organisierte und eigentlich für mehr Sicherheit mitfuhr.

In Turn vier bekommen wir einen neuen in unsere Gruppe, dem seine bisherige Gruppe zu langsam ist. Ohne weitere Anweisungen geht es raus auf die Strecke und Runden scheinen noch einmal schneller zu werden. Die Gänge werden wieder niedriger, diesmal aber weil deutlich höher gedreht werden muss. Die BMW lupft jetzt schon das ein oder andere Mal das Vorderrad beim Herausbeschleunigen aus der Kurve. Einmal verschalte ich mich, merke es aber selbst noch vor dem Einkuppeln. Ein erstes Zeichen von hoher Belastung. Zum Glück ist jetzt erst mal eine Stunde Mittagspause, heißt insgesamt also anderthalb Stunden Pause, bevor man wieder auf dem Motorrad sitzt.

In der Mittagspause finden ein paar Wechsel zwischen den Gruppen statt, schnellere gehen in schnellere Gruppen, langsamere in entspanntere Gruppen. Ich kam bisher gut klar und bleibe wo ich bin. Außerdem bin ich im Turn nach dem Mittag direkt hinter dem Instruktor eingeordnet und das ist nun mal die beste Position. “Direkt nach dem Mittag ist die Konzentration am geringsten, da passieren die meisten Unfälle”, so die Info von Michael. Mit Blick auf die große Portion Currywurstpommes, die ich mir wie die Meisten reinpfeife weiß ich auch wieso. Gut dass man anderthalb Stunden zum Verdauen hat.

Mittagspause vorbei, rauf auf den Track. Wir ziehen zügige Bahnen aber im letzten Turn vor dem Mittag war die Belastung deutlich höher. Plötzlich Laufen wir auf Gruppe 4 auf und überholen diese. Gruppe 4 startet immer direkt hinter uns und ist etwas langsamer als unsere Gruppe. Nachdem die rote Flagge mal wieder das Ende unseres Turns anzeigt, applaudiert uns Michael auf der Strecke wir rollen wie gewohnt zurück durch die Box ins Fahrerlager. Der Applaus ist mir noch ein Rätsel, das aber gleich gelöst wird. Wir kommen zum Stehen, Helm ab und Michael meint “Das war ja mal eine richtig gute Runde”. Er schätzt, dass wir ca. 10 Sekunden schneller als in den Vormittagsturns waren. So zwischen 1:20 und 1:30 müsste die Rundenzeit gelegen haben. Dass es mir entspannter vorkam, liegt einfach nur daran, dass man die Strecke und die Fahrtechnik nun verstanden hat. “In der Schikane warst du ein bisschen zu eng” meint Michael und zeigt auf meinen Blinker – oder besser das was davon übrig ist. Denn scheinbar habe ich in dem Turn die Schikane so sehr geschnitten, dass ich mit dem Blinker noch am Pylon hängen blieb. Ein Einschlag bei ca. 155 km/h, den er nicht komplett überlebte.

Turn sechs – ich bin wieder am Ende der Gruppe – ist wieder recht zügig. Etwas angefixt will ich diesmal wissen wie schnell wir sind und nutze den Laptimer der BMW um die Rundenzeiten grob zu messen. Eine Minute 24 Sekunden steht auf dem Laptimer als schnellste Runde, Michaels Schätzung passte also. Verglichen mit Profis ist das nicht sonderlich schnell, aber für ein Kurventraining schon ganz ok. Aber die Bedienung und vor allem das Lesen des Laptimers auf der Gerade lenken ab, das ist deutlich zu merken. So sehr, dass ich denke der Turn ist schon beendet, obwohl noch 2 Runden anstehen. Als ich meinen Fehler bemerke ist schon eine kleine Lücke zwischen mir und meinem Vordermann, die es gilt wieder zu schließen. Keine leichte Aufgabe bei dem schnellen Tempo, dass sich mittlerweile eingestellt hat.

Auch ist uns das Wetter hold und die Sonne zeigt sich nun schon seit einer Stunde. Die Temperaturen sind deutlich gestiegen und der Reifen hat auch ordentlich Temperatur und Abrieb entwickelt. Aber für den letzten Turn jetzt noch mal mit dem Druck zu spielen lohnt nicht mehr. So erfolgt das Rollout in die letzten Runden unverändert. Jetzt bloß nicht mehr wegschmeißen, schön entspannte letzte Runden. Denkste! Michael will den zwei Neuen in der Gruppe noch mal richtig was bieten. Die beiden fahren direkt hinter ihm, ich dahinter, hinter mir zwei K1200S Treiber. Michael lässt es zwei Runden richtig fliegen. So schnell, dass ich nicht mehr 100% mithalten will und in den Kurven ein paar Meter abreißen lasse. Satte 1:20:40 stehen am Ende auf dem Laptimer. Krass! 4 Sekunden schneller als im Turn zuvor. Das sind Welten! Von den K1200 Treibern hinter mir ist kaum noch etwas zu sehen, denen war das Tempo wohl auch zu hoch. Jetzt wieder auf der Geraden etwas Tempo raus nehmen um die Gruppe zusammen zu holen. Rein in die sehr lange Links, die am Ende scharf abknickt. Links rüber in Ausgansposition für die lange Rechts, reinlegen und – wow die R6 rutscht vor mir mit vielen Funken am Kurvenausgang Richtung Kiesbett. Eer Fahrer daneben, ist aber schon wieder am Aufstehen. Puha, wenigstens ihm geht es gut. Sofort signalisieren wir der Race Control den Unfall und fahren raus in die Box. Unsere vorzeitige Rückkehr bleibt nicht unbemerkt, die Truppe zu der der R6 Treiber gehört macht sich Sorgen, ist aber schon wieder ein wenig beruhigter als ich Ihnen erzähle, dass er schon wieder aufstand. Als er letztlich selbst wieder auf seinem lädierten Motorrad reingefahren kommt, ist von Sorge schon keine Spur mehr, von Spott umso mehr.

Zwei Ausrutscher das Wochenende, aber niemand verletzt und keine großen Schäden an Gazelle, Blade und Triumph. Dafür jede Menge Spaß. Ein geiles Wochenende – eines, dass wir auf jeden Fall wiederholen wollen.

Unterwegs mit der Neuen

Donnerstag, der 02.06. Herrentag, oder auch Vatertag genannt. 08:00 Uhr morgens. Eigentlich wollten wir jetzt auf eine nette kleine Tour in den Harz starten. Eigentlich deshalb, weil wir ja immer eine halbe Stunde zu spät starten. Deshalb haben wir diesmal ja auch den Startzeitpunkt um eine halbe Stunde vorverlegt. Und natürlich starten wir erst um 08:40 Uhr, am Ende also doch 10 Minuten zu spät um pünktlich am Treffpunkt in Dömitz zu sein.

Wie zu erwarten war, sind die Tanks leer und der Tag startet mit einem Besuch der Tankstelle. Einer von vielen, wie sich auf Grund des 17 Liter kleinen Tanks, aber großen Durst der neuen BMW noch herausstellen wird. Mit letzterer bin ich das erste Mal auf großer Tour. Und gespannt wie sich die doch etwas extreme Sitzhaltung wohl auf mein Durchhaltevermögen auswirkt. So kommt es dann auch wie es kommen musste: nach einer Stunde wurden die Beine lahm. 50km hinter uns, noch 300 vor uns: Das kann ja heiter werden.

WP_000049_thumb1Ab Dömitz geht es dann zu dritt zügigen Schrittes ‘gen Harz. Dort eine kleine Überraschung: Dem Reiter der gelben Stute geht es besser als erwartet. Ist die Kleine am Ende etwa doch tourentauglich? Im Harz dann die erste Ernüchterung: Der Tunnel an der Rapp-Bode-Talsperre ist gesperrt wegen eines schweren Unfalls. Kurz zuvor kamen uns Rettungswagen und Notarzt entgegen. Betroffene Gesicherter bei einigen der Anwesenden verheißen nichts Gutes, bleibt zu hoffen, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Zwar ist uns die Gefahr bekannt, aber bisher hatten wir immer das Glück keine Unfälle mitzuerleben.

Vom Tunnel aus dann zügigen Schrittes Richtung Kyffhäuser, einmal rauf und runter. Und natürlich das Spektakel dort ansehen. Am Kyff treffen wir dann auch einen vierten bekannten, der uns den Rest des Tages noch ein bisschen durch den Harz begleitet. Abends geht es dann zum traditionellen Bigfoot essen und ein paar Bier und Steinen ins Hotel.

Freitag geht’s dann noch mal zum Torfhaus und ab zum Kyff. Hier ist heute die Hölle los, aber irgendwie liegt ein kleiner Schatten über diesem Wochenende. Bei der Auffahrt zum Kyff werden gerade an zwei Stellen Unfallspuren beseitigt. An beiden scheint es größeren Blechschaden gegeben zu haben. Personenschäden können wir nicht direkt ausmachen aber auch hier findet sich wieder eine Gruppe mit betroffen dreinblickenden Personen unten am Treffpunkt.

WP_000052_thumb4Nun aber ist es Zeit sich aufzuteilen: Ich muss weiter Richtung Ulm, meine Gefährten zurück nach MV. Ich statte auf dem Weg dahin dem Sterngrund noch einen Besuch ab. Da die Zeit jedoch schon stark fortgeschritten ist (schließlich wollte ich schon zwei Stunden früher dort sein) entscheide ich mich von da an für eine Autobahnetappe. Ganz anders als erwartet, ist dies auf dem BMW keine Qual sondern lässt sich tatsächlich gut aushalten. Zumindest so lange man kräftig den Hahn spannt. So sind die 310 km dann auch in knapp 3 Stunden geschafft. Inklusive zwei Tankstopps. Den Hinterreifen freut das weniger. Mich schon, denn ich pünktlich zum Grillen.

Samstag geht’s dann mit Gastgeber und Local-Guide in Personalunion durch das schöne Schwabenland Richtung Bodensee. Sehr nette Kurven gibt es hier und während im Harz noch großer Respekt vor so viel Leistung, vor allem aber vor der Bremswirkung der BMW herrschte, bekomme ich hier langsam immer größeres Vertrauen in die Maschine. Umso mehr nervt, dass der Drehzahlbegrenzer statt bei 14200 U/min immer schon bei 9000 U/min aktiv wird. Ich muss damit dringend zum Händler!

Sonntag ist dann leider schon wieder scheiden angesagt: Ich mache mich auf den Weg von Ulm nach Nürnberg. Vormittags noch in Begleitung, nachmittags auf Grund der steigenden Gewittergefahr dann alleine. Doch ich habe Glück: Außer ein paar Tropfen oder einer nassen Straße bekomme ich nichts ab. Über Nürnberg steht gerade ein schweres Gewitter, als ich kurz nach zwei dort ankomme, also entschließe ich mich noch für eine Runde durch die trockene fränkische Schweiz. Eine gute Entscheidung, wie sich beim Blick auf das Wetterradar herausstellt.

Als ich zurück nach Nürnberg fahre, sind die Straßen feucht. Das veranlasst den Fahrer eines 911er Porsche anscheinend dazu, seine Chance an der Ampel zu wittern, als er mich zum Duell herausfordert. Ich checke kurz den Modus: Rain, das passt. Als die Ampel auf grün springt, prescht der Porsche los. Ich ziehe kräftig am Hahn, lupfe beim Aufleuchten des Schaltblitzes zweimal kurz am Schalthebel (ich liebe diesen Schaltautomaten) und sehe den 911er im Rückspiegel verschwinden. Die drei lokalen Supersportler, die die Sache von hinten beobachteten ebenso. Einer davon ist in Nürnberg dann an der Ampel wieder neben mir. Er grinst und nickt mir zu. Da ich ausnahmsweise für die letzten paar Kilometer keine Ohrenstöpsel drin hatte, kann ich hören wie er seiner Sozia zuruft: “Einfach so den Porsche verblasen. Geil”. Balsam fürs Motorradfahrerego Cooles Smiley.

Abschließendes Fazit: Ich steh total auf meine neue gelbe Gazelle!